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Emscherkapitän

Super-Malocher

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Donnerstag, 5. September 2019, 22:48

Jubiläen aus der Bundesliga-Zeit

Diese jähren sich ja jetzt. Ich weiß, dass wir uns davon nichts kaufen können, aber dennoch:

I WISH IT COULD BE 1969 again!!!!

6.9.1969: Durch ein sagenhaftes 4:0 IN Braunschweig grüßt RWO von der Tabellenspitze der Bundesliga!!!
Emscherkapitän

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Emscherkapitän« (6. September 2019, 12:43)


Prangi

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2

Freitag, 6. September 2019, 09:44

Ahoi Käpt`n !
Da berührst Du bei mir (wie sicherlich bei vielen anderen "fortgeschrittenen" Alters) einen ganz bestimmten Punkt meiner rot weißen Seele!

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3

Freitag, 6. September 2019, 14:27

Spitzenreiter,Spitzenreiter, hey,hey! :Schal: :dhalter: :Hut:

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Freitag, 6. September 2019, 17:32

"Goldene Hochzeit"

Und seit diesem Tag bin ich RWO-Fan; ich schaute an diesem Tag das erste Mal bewusst Sportschau mit meinem Vater und hielt natürlich zum Tabellenführer... So nehmen Fußballfanschicksale ihren lauf 8ich wollte es aber nicht anders haben).
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Freitag, 6. September 2019, 17:35

Meine wahre Geschichte

Canasta statt Canellas – oder:

Wie einmal ein kleiner Junge ganz durch Zufall zum süddeutschen RWO-Fan wurde – und es blieb.

Juni 1969: Das erste Jahr in der Grundschule Bödigheim, einem 850-Seelen-Dorf im badischen Odenwald, neigt sich langsam dem Ende zu. Der siebenjährige Steppke Jochen König bolzt mit seinen Freunden auf dem Sportplatz und muss seinerzeit schon mangelndes Talent mit Kampfgeist (das Wort „Maloche“ befand sich seinerzeit noch nicht in seinem Wortschatz) und einer gesunden Härte ausgleichen. Den Aufstieg von RW Oberhausen nimmt er nicht wahr.
6. September 1969: RWO ist überraschend Bundesliga-Tabellenführer. Und der kleine Jochen schaut mit seinem Papa erstmalig die Sportschau und sieht die Tabelle. Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Natürlich ist er sofort Fan des Ersten. Dass sich dies bekanntlich sehr bald relativiert haben wird, gehört zum Phänomen der Fußballschicksale, die besagen, dass man sich seinen Verein nicht aussucht, sondern der Verein einen findet.
Sommer 1970: Inzwischen hat Jochen König alle Kaugummibilder von Rot-Weiß Oberhausen beisammen. Dass seine Schulfreunde schmunzeln, dass er bedenkenlos die Bilder der Netzer, Müller und Overath zum Tausch abgibt, nimmt er zwar wahr, aber es bringt ihn nicht aus der Fassung.
Frühsommer 1971: Beim Bodensee-Urlaub hört der neunjährige Junge auf dem Campingplatz Lindau-Zech live im Radio, dass sich RWO in der allerletzten Sekunde vor dem Abstieg gerettet hat. Es erwischte RW Essen und Kickers Offenbach. Er jubelte laut. Abends ist dann von einem gewissen Canellas die Rede; der Junge kümmert sich nicht darum und spielt mit seinen Eltern Canasta.
Sommer 1972: In den Sommerferien wird im Dorf tagtäglich Fußball gespielt. König ist je nach Position mal Lothar Kobluhn, mal Franz Krauthausen. Beide sind den anderen Bödigheimer Fußballbuben bislang vollkommen unbekannt.
Juni 1973: Trotz eines Sieges gegen Kickers Offenbach steigt RWO aus der 1. Liga ab. Fußballtränen sind nicht weniger bitter als Liebeskummertränen (letztere lernte er gottlob erst 1978 kennen). Doch die Entscheidung steht: „Einmal RWO-immer RWO“, wie der Fußballphilosoph Pickel dies 15 Jahre später als geronnene Weisheit formulierte.
September 1973: Auf dem Buchener Schützenmarkt schießt der elfjährige Odenwälder Bub eine RWO-Mini-Fahne aus Plastik, die jahrelang sein Fahrrad zierte.
April 1984: In Karlsruhe besucht der 22-jährige junge Mann das Zweitligaspiel Karlsruher SC gegen RW Oberhausen und sieht eine 2:4-Niederlage seiner Elf. Es war sein erstes Livespiel, was den Schmerz der Niederlage erheblich dämpfte.
April 1985: Im südhessischen Kleinstädtchen Bürstadt, erlebt der junge Mann ein 1:1, wobei Detlef Krellas 1:0 in der 80. Minute bereits drei Minuten später egalisiert wurde. Die Tore hüteten Wolfgang Kleff (RWO) und ein gewisser Kurt Kowarz (VfR Bürstadt).
Juni 1985: Der erste Besuch Oberhausens stand an; mit großen Augen wurde die Schönheit des Ruhrgebiets betrachtet, mit noch größeren Augen der 2:1-Siege gegen Kickers Offenbach mit Burgsmüllers Tor, welcher den Klassenerhalt bedeutete. Was sind gegen dieses Glück schon 760 km Autofahrt?
August 1985: Am 3. Augsust ist das erste Saisonspiel in Aschaffenburg, das man von Bödigheim in einer Stunde erreichen kann. Die Fahrt wird belohnt mit dem Blick auf einen Rolls Royce mit Oberhausener Kennzeichen, einem Zuwinken von Anthony Baffoe und einem 1:0-Auswärtssieg durch einen Treffer von Manfred Burgsmüller.
April 1986: Ein Remis beim Karlsruher SC wurde vom BWL-Studenten König mit Fahne derart lautstark auf dem Stadionvorplatz gefeiert, dass sich einige KSC-Anhänger gedungen sahen, ihn in Gebet zu nehmen. Ein Kinnhaken aus dem Hintergrund, ausgegeben von seinem Vater Karl König und das Herbeirufen der Polizei durch Dieter, den besten Freund seines Schwagers Egbert („Polizei! _ Nemme Sie den Mann feschd!“) setzte der Szenerie ein Ende – die Karlsruher wurden festgesetzt.
August 1986: Der Halbzeitstand des Spieles bei Union Solingen (3:1 für RWO) wird im Garten mit Getöse und Fahnenhissen gefeiert. Spaziergänger wundern sich. Der Endstand (5:3 für Solingen) sorgt für milden Spott der Dorfbevölkerung.
April 1987: Mit fünf weiteren von (inzwischen Vereinsmitglied) König überzeugten jungen Männern wird der RWO-Fanclub Süddeutschland gegründet. Vom Geschäftsführer Klaus-Dieter Czysz erhalten sie Freikarten bei Auswärtsspielen. Der Besuch des Spieles beim SSV Ulm 1846 war die Jungfernfahrt der Truppe; es war dort ein 2:5 hinzunehmen. Ein brutales Foul an einem RWO-Spieler wurde trotz oder wegen unseres Geschreis von einem Zigarre rauchenden Ulmer Herrn mit Hut mit den folgenden Worten kommentiert: „Der is doch nur ousgrutscht!“.
Juli 1988: Im kicker-Sportmagazin muss der Odenwälder lesen, dass der DFB RWO die Lizenz entzieht. Nach dem unglaublichen Saisonfinish (Rettung durch einen 3:0-Sieg gegen Angstgegner Blau-Weiß 90 Berlin nach einer unfassbaren Niederlagenserie) ist dies wie ein Faustschlag auf den Solar Plexus. Es profitiert die SpVgg Bayreuth (wie übrigens ein Jahr später nochmals, als Offenbach die Lizenz verlor). Er tritt sofort in den Förderverein ein, in dem er zehn Jahre lange bleiben sollte.
Saison 1988/89: Diese wird mit vier Punkten abgeschlossen, der Student aus Mannheim ist bei zehn Spielen vor teilweise 150 unverzagten Zuschauern und muss an seinem Geburtstag eine Kanterniederlage beim späteren Meister MSV Duisburg hinnehmen. Viel schlimmer als das wird empfunden, dass die Duisburger eher Mitleid als Häme empfinden.
Mai 1990: In Homberg, das den Meister stellt, muss man eine bittere Niederlage hinnehmen. König darf mit dem Präsidenten Reichert mitfahren. Das große Zittern begann, ehe feststand, dass es den SV Schwafheim wegen des um ein Tor schlechteren Torverhältnisses erwischt. Klaus-Dieter Czysz schreibt traditionell die Ergebnisse auf einer Schreibmaschine und verteilt die Blätter in der Landwehr-Gaststätte. Internet war ein Wort, das man für Internat mit Druckfehler hielt. Als König Czysz darauf aufmerksam macht, dass er statt Schwafheim „Schafheim“ gehrieben hat, entgegnet dieser: „Ach, Jochen, das ist jetzt so egal, ob das jetzt Schwafheim, Scharfheim oder Schlafheim heißt!“.
So folgten die 90er Jahre und das neue Jahrtausend. Hunderte von RWO-Spielen wurden besucht. Der spätpubertierende Mann war an den Ausschreitungen in Wülfrath und Hauenstein nicht ganz unbeteiligt; er erlebte Aufstiege, Fastaufstiege (mit Jörn Andersen), Abstiege, Fast-Abstiege und verhinderte Aufstiege (Bonn stieg am Grünen Tisch auf). Zum 100-Jahres-Jubiläum sah er das erste und einzige Mal sein Idol Lothar Kobluhn. Er hat in Oberhausen einen ganz besonders sympathischen Menschenschlag kennengelernt, welcher der Odenwälder Art nicht unähnlich ist (direkt, mit Herzensbildung, bodenständig, genussfreudig, auch mal motzend). Bei Oberhausen-Besuchen nutzt er die reichhaltigen kulturellen Angebote wie Gasometer und Ludwigs-Galerie. Seine Lieblingsbiersorten sind König-Pilsener (nomen es omen) und das Oberhausener Bier Meininghaus. Inzwischen hat er Philosophie studiert und ist Dozent an Hochschulen und in der Erwachsenenbildung. Er darf im Stadionmagazin Philosophie-Artikel veröffentlichen. Schon lange ist er ist glücklicher Familienvater und ist ruhiger, besonnener und gelassener geworden. Seiner Frau und seiner inzwischen 12-jährigen Tochter ist er äußerst dankbar, dass sie ihn manchmal loslassen. Bei Heimspielen sitzt er bei seinen Stars Werner Ohm, Hermann-Josef Wilbertz und Jürgen Jäger. Im Mai 2019 war ein 3:3 gegen Verl und der Nichtaufstieg hinzunehmen, das Kennenlernen von den geehrten Herren Krauthausen, Fröhlich, Feldkamp und Co. sollte dafür mehr als entschädigen. Wenn er nicht da ist, hört er Internetradio, schaut Internet-TV und Livestream und hat den Videotext (WDR, Seite 616) an. Bei Siegen wird die RWO-Flagge gehisst und lautstark Ri-Ra-Ro gesungen. Es hat etwas vom Dorf des Asterix in seinem Wohnort Eberbach am Neckar, unweit von Heidelberg. Er bezeichnet Oberhausen als schönste Stadt der Welt und er meint es (er ist durchaus weitgereist) ernst. Die Strecke vom Schloss Oberhausen durch den Kaisergarten über die Brücke zum Stadion ist sein ganz und gar weltlicher Jakobsweg.
Wie ein Freund aus Potsdam feststellte, kommt man als RWO-Fan zwangsläufig in den Himmel – da man auf Erden ja schon genug gelitten habe. Er aber möchte sein Fußball-Schicksal seit der Fügung am 6.9.1969 keinen Deut anders haben, „nicht die Bohne“ bereut er, RWO-Fan zu sein. Und sein Lebensmotto „Die Dosis macht’s“ wird auf alles angewandt, aber nicht auf seine Mission unter dem Zeichen des vierblättrigen Kleeblatts.
Als Philosoph weiß man, dass man eigentlich nichts weiß – außer: „Einmal RWO-immer RWO!“.
Emscherkapitän

lefty1

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Freitag, 6. September 2019, 18:47

:clap:

so isset...so war es ...und so wird es bleiben

sehr schön geschrieben
Mut steht am Anfang des Handelns. Glück am Ende!


Reviersport Sonntag, 27. April 2014, 09:44: "Wir schreiben das, weil wir sicher sind, unsere Infos stimmen und an der Nummer ist zu 99,9 Prozent was dran."

Preißler

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7

Freitag, 6. September 2019, 19:03

@ Emscherkapitän

:shock: Ich verbeuge mich ehrfurchtsvoll vor dir ! Meine Hochachtung Emscherkapitän ! :clap: :clap: :clap:
______________________________________________
Heute noch brennt mein Herz lichterloh, denk' ich an RWO !


Fopper

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Freitag, 6. September 2019, 23:13

@Käptn Toll! Danke dafür!


RWO-Oldie

Super-Malocher

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9

Freitag, 6. September 2019, 23:56

Respekt, Käptn.

Viele Erinnerungen geweckt.

Aber vor allem sitze ich gerade in Gedanken wieder als 10jähriger neben meinem Vater und meinem Onkel auf der Tribüne in Braunschweig. Ich kann noch den Zigarettenrauch riechen und vor meinen Augen fällt noch vor der Pause das 3:0 für meine Kleeblätter.

In Ulm war ich auch, damals studierte ich in Stuttgart. Hier erinnere ich auch noch an das unfassbare Pokalspiel gegen den VFB und an einem kleinen Zaungespräch mit Gerd Wirtz mit dem ich beim TuS Xanten zusammen spielen durfte, beim Spiel bei den Kickers.

Einmal RWO - immer RWO, egal wo.

Troll77

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10

Samstag, 7. September 2019, 08:38

Hut ab, vor soviel Vereinsliebe!
Ich würde gerne mal mit dir ein kleines Pläuschchen halten.


Es wäre toll, wenn Andreas aus Pirmasens hier auch seine RWO-Vita niederschreiben würde.
Wo ist er eigentlich? Nach der Umstrukturierung der Fangruppen durch die
neue Tribüne haben ich ihn nicht mehr bewusst gesehen.


Liebe Grüße und größter Respekt an alle RWO-Fans, die nicht in der Wiege
der Industriekultur geschaukelt wurden!
"Wir werden dieses Jahr den Pokal gewinnen. Da geht es nicht um Leben und Tod, sondern um mehr."
Mike Terranova 17/04/18



Emscherkapitän

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11

Samstag, 7. September 2019, 19:18

Ihr Lieben,

gerne mal in der Fankneipe (dauert aber etwas wegen beruflicher Verpflichtungen). Beste Grüße
Emscherkapitän

12

Sonntag, 8. September 2019, 10:48

Super geschrieben. Das weckt tolle Erinnerungen an die letzten 50 Jahre (wo ist die Zeit geblieben ?)

Der Rolls Royce war der von Hermann Schulz, oder ?

:clap: :clap: :clap:

Frankiboy

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Beruf: Privatier. och schon verrentet

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13

Montag, 9. September 2019, 16:33

Wenn´s der Rolls Royce ist, der meine Stemmerstraße hoch schlich und auf der Westerwaldstraße parkte, ja.

Ansonsten, wische ich mir gerade rechts und links ein Tränchen weg.

Wenn ich dergleichen zu Papier bringen wollte, müßte ich ganz viel Bücher wälzen.

Einzig, am Kassenhäuschen zahlte mein Vater Rolf einen Sportgroschen, der 4-5 jährige Frank kam so rein, wurde auf der HT vor der Flammschale geparkt, blieb da stehen, hörte dem Spiel zu (vermutlich) und wartete geduldig auf das Ende der väterlichen Kollegengespräche.

Vom gleichen Platz sah ich auch Sandbahnrennen.

Ein Spiel gesehen habe ich nach dem Kauf von Oberligamandeln von den Holzbänken der HT und im Stehen als ein gewisser Herr Fröhlich aus Freiburg kein Tor schoß und nach dem Spiel nur das Trikot wechseln mußte, um einen RWO Aufstieg zu feiern.

So, Chronologie stimmt, vermutlich, Zeitabstände müßte ich nachschlagen.
:dhalter: Frankiboy :dhalter: :Schal: :schild:
...meine persönlichen Meinungsäußerungen sind, wer mich kennt, der weiß es, häufig gewürzt mit :ironie:

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